Ein leises Summen kündigt ihre Ankunft an. Wenige Sekunden später landet eine Drohne am Gesundheitszentrum Kalulu im Distrikt Dedza. Medikamente und Laborresultate werden entnommen. Kurz darauf tritt die Drohne den Rückflug an, diesmal mit Blutproben und diagnostischen Tests an Bord. Was futuristisch anmutet, wird hier bereits erprobt. Es ist eine Antwort auf ein Problem, das miva seit über 90 Jahren beschäftigt: Wie gelangt Hilfe dorthin, wo Wege schwierig sind?
Wo Strassen während der Regenzeit kaum passierbar sind, wird der Transport medizinischer Güter schnell zur Herausforderung. Genau das ist die Ausgangslage im Distrikt Dedza im Süden Malawis. Blut- und Tuberkuloseproben müssen ins Labor gebracht, Impfstoffe und Medikamente ausgeliefert sowie Laborresultate zurück in die Gesundheitszentren transportiert werden. Eine funktionierende medizinische Versorgung hängt deshalb nicht nur von gut ausgebildetem Personal oder ausreichend Medikamenten ab, sondern auch davon, dass der Transport zuverlässig funktioniert.
Für die Umsetzung arbeitet miva mit dem Schweizer Unternehmen Jedsy zusammen, das die Drohnen entwickelt und das Transportnetz in Dedza aufbaut. «Wenn es regnet, wird hier alles zu Schlamm», sagt Herbert Weirather, Gründer des Drohnenunternehmens. «Gerade dann bieten Drohnen die Chance, medizinische Lieferungen schneller, häufiger und günstiger ans Ziel zu bringen.»
Eine neue Antwort auf eine alte Herausforderung
Seit über 90 Jahren sucht miva nach passenden Transportlösungen für Regionen ohne ausreichende Infrastruktur. Immer wieder geht es darum, die Verkehrsmittel den lokalen Gegebenheiten anzupassen. Das konnten Flugzeuge sein, später Geländefahrzeuge, Motorräder oder Boote. In Malawi unterstützt miva nun ein innovatives Pilotprojekt, das den Luftweg als Ergänzung zu den bestehenden Transportwegen erprobt.
Die Drohnen verbinden das Distriktspital in Dedza mit den Gesundheitszentren Lobi und Mayani. Sie transportieren medizinische Güter, die für den Alltag der Gesundheitsversorgung unverzichtbar sind. Dazu gehören Impfstoffe, Medikamente, Blut- und Tuberkuloseproben sowie Laborresultate. Die Entfernungen betragen zwischen 35 und 90 Kilometern. Was Fahrzeuge – insbesondere während der Regenzeit – oft erst nach mehreren Stunden oder manchmal gar nicht bewältigen, schaffen die Drohnen in rund 30 bis 40 Minuten.
Drei weitere Gesundheitszentren werden erschlossen
Mit Unterstützung von miva wächst das Pilotprojekt nun von zwei auf fünf Gesundheitszentren. Neu werden Kalulu, Kafere und Kaundu an das Drohnennetz angeschlossen. Gemeinsam versorgen sie ein Einzugsgebiet von rund 112'000 Menschen. Tag für Tag suchen dort rund 550 Patientinnen und Patienten medizinische Hilfe.
Mit den Spendengeldern werden Andockstationen, Batterien, Ladegeräte und weiteres technisches Zubehör finanziert. Erst diese Infrastruktur macht es möglich, die drei neuen Gesundheitszentren dauerhaft an das Drohnennetz anzuschliessen und regelmässig mit dem Distriktspital zu verbinden.
Ein Projekt mit Pilotcharakter
Noch steckt das Drohnennetz in den Anfängen. Gerade deshalb unterstützt miva dieses Projekt gezielt. Es soll zeigen, wie innovative Transportlösungen die medizinische Versorgung in Regionen mit schwieriger Infrastruktur sinnvoll ergänzen können.
Bereits heute werden medizinische Güter zwischen den angeschlossenen Gesundheitszentren transportiert. Bewährt sich das Modell, könnte das Drohnennetz schrittweise auf weitere Gesundheitseinrichtungen im Distrikt Dedza ausgeweitet werden. Vielleicht dient es künftig auch anderen Regionen mit ähnlichen Herausforderungen als Vorbild.
Schwieriger Transport medizinischer Güter in abgelegene Gesundheitszentren.
Ausbau eines Drohnennetzes für den Transport von Medikamenten, Impfstoffen, Blut- und Tuberkuloseproben sowie Laborresultaten.
Jedsy
Ausbau des Drohnennetzes von 2 auf 5 Gesundheitszentren.
Rund 112'000 Menschen im Einzugsgebiet der drei weiteren Gesundheitszentren.
MW-26-0002